Abberufung des bisherigen und Amtseinführung des neuen

Ortsbeauftragten im THW-Ortsverband Selb

Ein Generationswechsel in Erbfolge

     SELB. - Ein Generations­wechsel in Erbfolge vollzog sich am Samstag beim Ortsverband Selb des Technischen Hilfswer­kes (THW): Ortsbeauftragter Manfred Winkler wurde nach 33 Jahren, in denen er diesen Posten bekleidete, abberufen und verabschiedet, und sein Sohn, Udo Winkler, als neuer Ortsbeauftragter in sein Amt eingeführt. Zu diesem Anlaß waren zahlreiche Ehrengäste    und THW-Vertreter in die Un­terkunft des Ortsverbandes ge­kommen und wurden von der Geschäftsführerin der THW­-Geschäftsstelle Hof, Erika Gerber, willkommen geheißen.

     Der Landesbeauftragte der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk für Bayern, Diplom Ingenieur Reiner Vorholz, zeichnete Manfred Winkler mit dem bronzenen Ehrenzeichen der THW-Bundesanstalt aus, und machte deutlich, daß Winkler seit 43 Jahren mit nie nachlassendem  Elan  beim Ortsverband Selb ehrenamtlich tätig gewesen sei. Im Alter von 19 Jahren trat er 1954 dem Ortsverband Selb bei und wur­de zehn Jahre später Ortsbeauf­tragter.  1969 wurde er mit dem Helferzeichen in Gold und 1980 mit dem goldenen Abzei­chen mit Kranz ausgezeichnet. Es sei Winkler gelungen, so Vorholz, einen THW-Stütz­punkt in Selb aufzubauen, auf den Verlaß ist. Er habe die Ausbildung der Helferschaft vorangetrieben, die technische Aus­stattung verbessert und damit eine Steigerung der Einsatzfä­higkeit des THW in Selb erreicht. Aufgrund guter Zusam­menarbeit mit den Hilfsorgani­sationen des Landkreises sei der Katastrophenschutz in Selb ge­stärkt und allseits anerkannt worden.

     Manfred Winkler habe jahrelang für den Neubau einer Un­terkunft gekämpft, und 1988 konnte das neue THW-Heim bezogen werden. Auch die Gründung einer Jugendgruppe 1995, die inzwischen 20 Junghelfer zählt, sei auf Initiative des Ortsbeauftragten erfolgt. Trotz seiner beruflichen Bean­spruchung  habe  Manfred Winkler in 43 Jahren unzählige Stunden Freizeit für das THW geopfert und übergebe den Ortsverband nun wohlgeord­net in jüngere Hände.

Vorholz war zuvor auf die inzwischen erfolgreich  abge­schlossene  Umorganisation und die geschichtliche Ent­wicklung des THW eingegan­gen, das sich aus einer 1919 ins Leben gerufenen technischen Gruppe in der Reichswehr ent­wickelt habe, ehe 1949 die offi­zielle Gründung erfolgt sei. Nach Jahren laufender Verbes­serungen sei 1990, nach der Wiedervereinigung der Zivilschutz plötzlich in Frage gestellt worden.

Zum Glück sei das THW als Bundeseinrichtung von der Komponentenlösung verschont geblieben, so Vorholz, und das bereits 1984 entwickelte Konzept „THW 2000“ mit Aufteilung in elf Fachgruppen habe umgesetzt werden können. Dies verlange nun eine engere Zusammenarbeit der ehemals autarken Ortsverbände, deren Ausstattung nach und nach komplettiert werde. Das neue Bild des THW sei sehr or­dentlich, denn es werde bei geringerem Aufwand eine höhere Effizienz erreicht.

     Ehe Vorholz zur Abberufung Manfred Winklers schritt, hob er hervor, wie wichtig Menschen seien, die ehrenamtlich Verantwortung übernehmen. Er dankte daher allen THW­-Helfern für ihre Arbeit. Die Aufgaben des Ortsbeauftragten, der nicht gewählt wird, seien vielfältig und reichten vom Re­präsentanten, der die Interes­sen der Bundesanstalt vertrete, bishin zur Vorbereitung von Einsätzen und der Werbung. Vielerorts bedeute daher ein Wechsel an der Spitze des Orts­verbands einen tiefen Einschnitt, denn aufgrund des veränderten Führungsstils sei Anpassung notwendig.

     Nach Überreichung der Ab­berufungsurkunde an Manfred Winkler, folgte die Einführung von Sohn Udo. 1964 geboren, trat er 1983 dem Ortsverband Selb bei, besuchte Lehrgänge und wurde 1987 Gruppenfüh­rer der Elektrogruppe im dama­ligen Instandsetzungszug. 1995 übernahm er im Zuge der Neuordnung die Leitung der Infrastruktur-Fachgruppe und seit 1997 ist er stellvertretender Ortsbeauftragter. Nach der Be­stellung von Udo Winkler, der im Beruf Meister im Bereich Elektrogerätemechanik ist dankte Vorholz ihm und seiner Familie für die Bereitschaft die hohen Anforderungen auf sich zu nehmen.

          Bundestagsabgeordneter Dr. Jürgen Warnke, der sich stets für die Belange des THW eingesetzt hat, eröffnete den Reigen der Grußredner und gratulierte zur gelungenen Umstrukturierung, deren Effizienz bei Einsätzen wie bei Flutkatastrophe an der Oder oder beim Aufbau in Bosnien unter Beweis gestellt worden sei. In Selb habe man für eine gute Nachfolge an der Spitze gesorgt, was Warnke ver­anlaßte, besonders den Ehefrauen für deren Verständnis zu danken.

          Auch Landtagsabgeordneter Albrecht Schläger stellte das Opfer an Freizeit in den Vordergrund, das in verstärktem Maße beim Kampf um den Erhalt not­wendig gewesen sei. Er freute sich daher, daß im Landkreis Wunsiedel die beiden Ortsver­bände Selb und Marktredwitz erhalten werden konnten.

     Landrat Dr. Peter Seißer zeig­te sich angetan von der gepfleg­ten Unterkunft, was für den Ortsverband  spreche.  Der Landrat zeigte auf, daß es jeder­zeit zu „friedlichen Katastro­phen“ kommen könne, die den schnellen Einsatz aller Hilfsor­ganisationen notwendig mach­ten, wobei dem THW viele Spe­zialaufgaben zukommen könn­ten.

     Von einem Glücksgriff im Hinblick auf den Generations­wechsel beim THW Selb sprach Oberbürgermeister Werner Schürer. Verfolge man den Wer­degang des Ortsverbands, so wecke dies automatisch den Re­spekt vor den Leistungen Manfred Winklers. Deshalb sei es zu begrüßen, wenn hier Kontinui­tät gepflegt werde, so daß es im Ortsverband Selb nahtlos wei­ter voran gehen werde.

     Der Leiter der Grenzpolizeiinspektion Selb, Polizeirat Lud­wig Härtl, wies auf das hohe Gefahrenpotential in der Regi­on hin und es beruhigend sei, zu wissen, daß es schlagkräftige Organisationen wie das THW gebe, auf die man Jederzeit zäh­len könne. Mit Grußworten schlossen sich THW-Vertreter der Ortsverbände Hof und Kronach an, die die kameradschaftliche   Verbundenheit würdigen.

     Helfersprecher Stefan Guttau überbrachte den Dank der Helfer des Ortsverbands, die sich stets vertrauensvoll an Manfred Winkler hätten wenden können. Dessen große Leistungen würdigte auch Zugführer Uwe Prucker, der Eva und Birgit Winkler mit Blumen Dank sagte.

    Das letzte Wort hatten die beiden Hauptpersonen. Man­fred Winkler versicherte, daß er nach 33 Jahren als Ortsbeauf­tragter zufrieden zurückblicke und ihm der Abschied daher nicht so schwer falle. Es sei nicht leicht gewesen, einen Nachfolger zu finden, da dieses Amt ein hohes Maß an Freizeitopfern fordere. Er bereue dieses Opfer nicht, denn es sei eine schöne Aufgabe gewesen, klei­ne und große Probleme zu lö­sen.

     Winklers Dank galt seiner Frau Eva und allen Helfern für die Unterstützung. Einen be­sonderen Dank sprach er sei­nem Sohn Udo aus, den er auf­forderte, ein guter „Kapitän“ zu sein, ein gerechter Vorgesetzter, der die Kameradschaft und Kommunikation pflege sowie Neuerungen und Gefahren rechtzeitig erkenne. Mit dem Ausspruch „Volle Kraft voraus“ sicherte er dem Nachfolger auch seine volle Unterstützung zu.

     Udo Winkler zeigte sich den ständig steigenden Anforde­rungen bewußt, denn er habe bereits in dem einen Jahr als Stellvertreter Einblick bekom­men und sich einarbeiten kön­nen. Dies gebe ihm ein sicheres Gefühl. Udo Winkler sicherte zu, auf Kameradschaft und gute Ausbildung Wert zu legen und mit anderen Organisationen zusammenarbeiten zu wollen. Er sei bereit, seinen Beitrag zur weiteren Aufwärtsentwicklung des Ortsverbands Selb zu lei­sten.

Mit dem Dank an seinen Va­ter und Wegbereiter schloß er den offiziellen Teil, der vom Akkordeon-Quartett der Mu­sikschule Selb mit sehr ansprechenden Stücken würdig umrahm worden war.      G.K.

Fotos und Text: Gisela König

Frankenpost, 19. Januar 1998